Mein lieber alter Freund Terry

Mein liebes Frauchen,

vor einer Woche hatten wir noch drei Stunden Zeit, die wir zusammen verleben durften. Du hattest schon gemerkt, daß es mir nicht gut geht. Wie oft hast Du meinen Kopf in Deine Hände genommen und mich gestreichelt. Du hast mich ganz traurig angesehen.
Um ca. 14.30 Uhr bist Du mit mir noch einmal an die Rothe gefahren, weil ich dort so gerne gebadet habe. Aber es hat mir alles keine Freude mehr gemacht. An dem Flüßchen Rothe befindet sich auch das Freibad und schon oft hatten wir durch den Zaun gespäht, um die liebe Familie, die mit in unserem Haus wohnt, zu entdecken. Nie haben wir sie gesehen, aber heute waren sie da und mein Frauchen hat laut gerufen. Sie haben uns aber nicht gehört. Ich stand ganz nah am Zaun, um die Drei noch einmal zu sehen, denn ich merkte, daß es mit mir zu Ende ging.

Als wir zum Arzt fuhren, habe ich mich gefreut, weil er mir immer geholfen hatte. Aber dieses Mal konnte er das nicht mehr. Ich dachte, als ich auf dem Tisch lag, an die schönen 10,5 Jahre. Mein Frauchen hat alles für mich getan. Sie mußte auch auf ganz viel verzichten, alles wegen mir. Da habe ich die ersten beiden Jahre, die ich im Zwinger bei bösen Menschen war, vergessen.
Dann kam die Erlösung, mein krankes Herz hörte auf zu schlagen. Jetzt schwebe ich auf einem gelben Stern und bin glücklich.

Dein Terry in ewiger Liebe



(von Hildegard Schilling)